Über das Management von Technologie (Teil 1/3)

[English Version]

Birgit Stelzer, Universität Ulm

Birgit Stelzer, Universität Ulm

Technologiemanagement – laut Wikipedia „die Planung, Durchführung und Kontrolle der Entwicklung und Anwendung von (neuen) Technologien zur Schaffung erfolgswirksamer Wettbewerbsvorteile“ – gehört zu den wichtigen Steuerungsaufgaben in den F&E-intensiven Industrien. Birgit Stelzer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Technologie- und Prozessmanagement der Universität Ulm, hat Guido Beyß in einem längeren, leitfadengestützten Interview zu wesentlichen Aspekten des Technologiemanagements befragt. Die wichtigsten Passagen werden in diesem Blog in drei Teilen dokumentiert. Teil 1 behandelt das Grundverständnis von Technologiemanagement, seine Integration in das Unternehmen sowie seine internen und externen Bezugspunkte.

Herr Beyß, was bedeutet für Sie Technologiemanagement?

Beyß: Technologiemanagement ist für mich definiert durch das Anstoßen und Ausbalancieren verschiedener Einflussfaktoren: auf der einen Seite die Kundenwünsche hier und heute; technologische Trends und Möglichkeiten auf der anderen. Entscheidender Knackpunkt ist dabei, das wirtschaftliche Potential zu erkennen.

Worauf kommt es dabei besonders an?

Beyß: Nicht selten bringt die geschickte Kombination bereits vorhandener Technologien zu etwas ganz Neuem den Durchbruch. Bestes Beispiel: das iPhone. Das iPhone ist ein kleiner Computer, mit dem man auch telefonieren kann. Computer für den privaten Einsatz gibt es bereits seit den 1970er Jahren, Mobiltelefone seit den 90ern. Was war der bedeutende Beitrag von Apple? Das Erkennen des Potentials einer neuen Kombination. Apple hat diese beiden Technologien genutzt, sie mit einer neuen Entwicklungen wie dem Touch Screen verbunden und das Ganze mit einem sehr guten Design und Psychologie zu einem Produkt verbunden, das dem Zeitgeist entsprach – selbst wenn die Kunden dies noch nicht einmal selber ahnten.

Steve Jobs Headshot 2010-CROP

Potential erkannt: Steve Jobs präsentiert das iPhone (Photo: Matthew Yohe)

 Wie lässt sich Technologiemanagement am besten im Unternehmen integrieren: eher dezentral in den einzelnen Business Units oder eher zentral im Rahmen einer „Corporate Technology“?

Beyß: Das hängt natürlich ganz von den Umständen in dem jeweiligen Unternehmen ab. Ein Hersteller von Leuchtmitteln für die Automobilindustrie beispielsweise kann sein Technologiemanagement eher zentral organisieren. Haben Sie dagegen ein Unternehmen, das ganz unterschiedliche Technologien beispielsweise für die nahrungsmittelverarbeitende Industrie anbietet, wie etwa Wärmetauscher, Homogenisatoren und Separatoren, Brauerei- und Molkereitechnik oder industrielle Kältesysteme, dann sind diese Technologien so fragmentiert, dass sie sich in der Regel dezentral besser managen lassen. Bei einem dezentralen Technologiemanagement ist natürlich besonders auf einen regelmäßigen Know-how-Austausch zwischen den Business Units zu achten. Selbst wenn die Technologien fragmentiert sind, es gibt immer wieder Entwicklungen in einem Geschäftsfeld, die auch in anderen Bereichen von Nutzen wären. Man muss eben nur davon erfahren.

Wo sehen Sie die wesentliche „Schnittstelle“ für das Technologiemanagement?

Beyß: Die entscheidende Schnittstelle ist natürlich der Markt oder sind auch Markttrends. Hier bedarf es besonderer Wachsamkeit aller Beteiligten, um nicht nur zu erkennen, was der Markt aktuell erwartet, sondern auch was künftig gefragt ist. Hier sind vor allem der Vertrieb und Forschung & Entwicklung gemeinsam gefordert. Der Vertrieb muss dazu seine in der Regel eher kurzfristige, am nächsten Auftrag orientierte Perspektive überwinden. Die F&E-Leute wiederum müssen sich fragen, welchen Beitrag sie jenseits des technisch Machbaren oder Wünschenswerten zu einer vermarktungsfähigen Lösung leisten können.

Technische Systeme

Technische Systeme als Teil einer Problemlösung (By Swettengl, own work, [GFDL or CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

Immer wieder kommt es vor, dass für die Entwicklung des eigenen Unternehmens Technologien wichtig sind, die nicht ohne weiteres zum eigenen Portfolio gehören. Wie geht man damit um?

Beyß: Hier hat das Management eine wichtige Steuerungsfunktion, um die Frage „Make or Buy?“ zu entscheiden. Wenn beispielsweise Entwickler dazu neigen, alles selber machen zu wollen, muss das Management eingreifen und die Frage aufwerfen, ob man wirklich der Beste dafür ist, oder ob man nicht auf vorhandene Technologien am Markt zurückgreifen sollte. Die Risikofaktoren, die es gegeneinander abzuwägen gilt, sind Schnelligkeit versus Kontrollverlust. Hat man sich entschlossen, eine externe Technologie zu nutzen, stellt sich nicht selten die Frage, ob man mit dem entsprechenden Unternehmen kooperiert, oder ob man es übernimmt. Wenn ein Partnerunternehmen eine Technologie mit einem hohen wirtschaftlichen Potential entwickelt hat, kann es durchaus ratsam sein, den Partner zu übernehmen. So kann aus einer „Make or Buy“-Frage durchaus auch ein M&A-Thema werden. Bei Apple und Samsung stellte sich diese Frage vermutlich nicht.

4 Gedanken zu „Über das Management von Technologie (Teil 1/3)

  1. Pingback: Über das Management von Technologie (Teil 2/3) | BeyssOnManagement

  2. Pingback: Über das Management von Technologie (Teil 3/3) | BeyssOnManagement

  3. Pingback: Technology management (part 1/3) | BeyssOnManagement

  4. Pingback: Innovationen durch neue Kombinationen – Was man von Doodle God lernen kann | BeyssOnManagement

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