Über das Management von Technologie (Teil 3/3)

[English Version]

Weder Technologie noch Innovation gedeihen im luftleeren Raum. Sie reagieren auf Kundenbedürfnisse und/oder gesellschaftliche und technologische Trends. Besser noch: Sie antizipieren sie. Der dritte und abschließende Teil des Interviews (zu Teil 1 und Teil 2) zum Technologiemanagement, das Birgit Stelzer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Technologie- und Prozessmanagement der Universität Ulm, mit Guido Beyß geführt hat, behandelt das Verhältnis zwischen Produzent/Lieferant und Kunde, den Umgang mit Trends, die Technologiefrüherkennung und die Frage, wie sich das für das Technologiemanagement relevante Wissen dokumentieren lässt.

Worin besteht die Kernaufgabe im Verhältnisse zwischen Produzent/Lieferant und Kunde?

Beyß: Ich glaube, die Kernaufgabe liegt in der Erschließung der Kundenbedürfnisse. Das ist leichter gesagt als getan. Die Herausforderung besteht darin zu ermitteln, worum es Kunden wirklich geht. Häufig werden Bedürfnisse nicht konkret benannt. Da möchte ein Kunde ein Produkt größer oder kleiner, schneller oder leichter haben. Die Kunst besteht darin, das hinter dieser vordergründigen Anforderung stehende Kundenbedürfnis zu verstehen.

Haben Sie ein Beispiel?

Beyß: Nehmen wir die Kältetechnik. Ein Kunde sagt, er brauche an einer bestimmten Stelle seines Produktionsprozesses eine tiefere Temperatur. Dass er bei näherer Betrachtung keine tiefere Temperatur braucht, weil er letztlich getrieben ist von „Safety Regulations“, also Hygienevorschriften, das gilt es herauszufinden. Bei dieser Anforderung geht es nicht um eine tiefere Temperatur an sich, sondern es geht um Hygiene. Der Kunde erkennt das Problem in seinem Prozess, ist aber nicht der Spezialist. Folglich versucht er, den bestehenden Prozess so zu verbessern, dass sein Problem eliminiert wird. Und schließlich kommt er zu dem Schluss der „geringeren Temperatur“. Tatsächlich reden wir aber nicht über Energie, sondern über Bakterien. Ein Gespür für derartige Kundenbedürfnisse zu entwickeln, das ist die große Kunst.

Glaskugel CrystalBall

Für den Blick in die Zukunft der Technologie sicher nicht ausreichend [by Eva K. (FAL, GFDL or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0), via Wikimedia Commons]

Technologiemanagement steht regelmäßig vor der Herausforderung, sich auf gesellschaftliche und technologische Megatrends einzustellen. Worauf kommt es dabei besonders an?

Beyß: Die „Megatrends“ an sich sind in der Regel nicht das Problem. Sie sind allenthalben bekannt. Man muss sie also nicht suchen. Schwieriger ist es herauszuarbeiten, was diese Trends für das eigene Unternehmen bedeuten. Eine Schwierigkeit ganz eigener Art stellen die gesetzgeberischen Entwicklungen dar, die Mega-Trends begleiten oder mit sich bringen. Hier nicht nur die aktuellen Anforderungen zu erfüllen, sondern auch mögliche zukünftige Änderungen zu antizipieren, ist alles andere als einfach. Wenn dann auch noch zu derselben Thematik unterschiedliche gesetzliche Anforderungen in den verschiedenen Ländern oder Regionen zu erfüllen sind, ist die Komplexität perfekt.

Welche Möglichkeiten gibt es für die Technologie-Früherkennung?

Beyß: Es gibt vollkommen unterschiedliche Methoden, um aussichtsreiche Technologieansätze und -trends zu ermitteln. Von Patentanalysen und Expertenbefragungen über Suchfeldstrategien bis hin zum Einsatz von Technologie-Scouts und Netzwerken, um nur mal ein paar zu nennen. Sehr hilfreich können übrigens auch die PR- und Investor-Relations-Abteilungen sein. Die sehen sich regelmäßig seitens Journalisten und Analysten mit Fragen nach den neuesten Trends, nach Markt- und Unternehmensentwicklungen konfrontiert. Auch die Mitarbeit in nationalen und internationalen Gremien kann helfen, sich auf künftige Entwicklungen einzustellen. Dabei geht es weniger um die Technologie an sich, sondern mehr um die Umfeldfaktoren, um Gesetzgebung etc.

Zum Abschluß: Technologiemanagement fußt auf Wissen. Das ist leider flüchtig. Wie lässt sich Wissen wirkungsvoll dokumentieren?

Wohl dem, der sein Wissen dokumentiert hat: Server der Wikimedia Foundation (by Victor Grigas)

Wohl dem, der sein Wissen dokumentiert hat: Server der Wikimedia Foundation (by Victor Grigas)

Beyß: Die Dokumentation von Wissen ist eines der schwierigsten und komplexesten Themen überhaupt. Das Grundproblem liegt darin, dass Mitarbeiter oftmals gar nicht wissen, dass sie mehr wissen als der Nachbar. Wie sollen sie dann etwas dokumentieren, von dem sie annehmen, dass es jeder weiß? Hier hilft nur eins: reden, reden, reden! Anlässe schaffen, um Wissen auszutauschen. Da wird schnell deutlich, wer über welches Spezialwissen auf welchen Gebieten verfügt. Auf diesem Weg lassen sich dann auch die Ansatzpunkte für die Wissensdokumentation identifizieren. Und die ist wirklich wichtig, schließlich gehört Wissen zu den wenigen Dinge, die sich vermehren, wenn man sie teilt.

Ein Gedanke zu „Über das Management von Technologie (Teil 3/3)

  1. Pingback: Technology management (part 3/3) | BeyssOnManagement

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