Produktion: Wie die Suche nach dem Neuen Überkommenes in Frage stellt

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Erst vor wenigen Wochen waren auf den großen Messen – von der IAA bis hin zu den IT-orientierten oder technologischen Messen – überall neue Ideen zu finden. In der Vergangenheit war Design-to-Cost das große Thema, also das Entwerfen und Konstruieren nach Kostengesichtspunkten unter Berücksichtigung der gegebenen Rahmenbedingungen. Die Maxime lautete: „Konstruiere so, dass unter den vorgegebenen Prämissen das Kostenziel eingehalten wird.“

Auf der Suche nach dem neuesten Trend

Nunmehr suchen alle den neuen „Trend“, den nächsten „Key-Driver“ für die nächste Produkt-Revolution. Sei es die Frage, wie man im heutigen Daten-Dschungel die wichtigen Informationen besonders effizient herausfiltert, wie man mit kleineren Produkten mit (mindestens) vergleichbarem Funktionsumfang weniger Ressourcen verbraucht, oder aber die Frage nach der geringsten CO2-belastenden Herstellung oder Nutzung bestimmter Produkte (z.B. Elektroauto).

Uhr, Smartphone, Armreif in einem. Ob sich das durchsetzt?

Uhr, Smartphone, Armreif in einem. Ob sich das durchsetzt?

Die Entwicklung des Mobiltelefons zeigt, wie so etwas läuft. Ursprünglich dienten die „Handys“ tatsächlich der einen Primärfunktion: dem Telefonieren. Nach und nach kamen zusätzliche Funktionen hinzu, wie etwa das Versenden von Kurznachrichten. Parallel dazu wurden die Geräte kleiner und leichter. Zuletzt kamen die Smartphones, bei denen das Telefonieren nur noch eine Funktion unter vielen ist. Jetzt hoffen die Produzenten auf den nächsten Hype – durch die Smartwatch. Durch biegsame Displays wird das Smartphone zu einem „Schmuckobjekt“. Ein Samsung-Manager rechnet damit, dass die Computeruhr gar zu einer „Fashion-Ikone“ wird. Das wäre dann etwa so, wie seinerzeit bei der Entwicklung der klassischen Uhren selbst. Durch die Swatch-Uhren wurde der Zeitmesser am Handgelenk zu einem Modeobjekt, die Anzeige der Zeit zur Nebensache.

Fernsehen ohne Fernseher (Quelle: Handelsblatt, 05.09.2013)

Fernsehen (auch) ohne Fernseher (Quelle: Handelsblatt, 05.09.2013)

Ein weiterer Aspekt der immerwährenden Suche nach dem neuesten Trend, dem nächsten „Hype“ ist die sukzessive Verdrängung ganzer Produktkategorien, weil neue Produkte ihre Funktionen nach und nach übernehmen. Beispiel Computer: Erst haben Laptops/Notebooks dem klassischen Desktop-PC allmählich das Wasser abgegraben; jetzt sind es Smartphones und Tablets, die in den Markt der Laptops/Notebooks eindringen, weil sie sie funktional mehr oder weniger ersetzen können. Wenn zudem immer mehr Menschen Filme über ihr Smartphone oder Tablet schauen, dann greift dies den klassischen Markt der Fernsehgeräte-Hersteller an. Da auch der Fernseher künftig mit dem Internet verbunden sein wird, dürfte er jedoch bis auf Weiteres überleben.

Weniger Gewicht ist Trumpf

Neben dieser Verdrängungsthematik zeigt sich am Beispiel der Computertechnologie und seiner Entwicklung vom Desktop-PC über Laptop und Notebook zu Tablet zu Smartphone auch ein allgemeiner Technologietrend. Stichwort: Miniaturisierung. Für sie gibt es zwei einfache Gründe:

  1. Kleinere Teile mit gleicher Funktion bedeuten weniger Gewicht.
  2. Gleiche Funktion mit weniger komplexen Komponenten bedeutet weniger Material und auch weniger Bearbeitung und Montage. Und dies entspricht dem Gedanken der Nachhaltigkeit.

Dass dieser Trend nicht nur in der Elektronik und artverwandten Branchen angekommen ist, sondern auch Standardprodukte des täglichen Lebens erreicht hat, sieht man an der Frage, die laut Handelsblatt aktuell die Hausgerätehersteller umtreibt: „‚Muss eine Waschmaschine immer eine Kiste im Format 60x60x85 sein?‘“ (vgl. Handelsblatt, 5. September 2013)

Ob nun Hausgeräte, Computertechnologie oder Autos: Es geht darum, zur Herstellung eines gewünschten Produkts und somit zur Erfüllung eines bestimmten Nutzens mit weniger Material und Bearbeitung auszukommen. Dies reduziert den Energiebedarf und hilft der CO2-Bilanz.

Was diesen Punkt betrifft, haben wir auf der Suche nach dem neuen Trend noch gar nicht erkannt, dass er bereits begonnen hat: Statt Design-to-Cost könnte man „Design-to-Resources“ als neue Maxime ausrufen! Die entsprechende neue Aufgabe lautete dann: „Konstruiere so, dass unter den vorgegebenen Prämissen das Ressourcenziel eingehalten wird.“ Damit werden bei den Materialkomponenten und in der Oberflächenbearbeitung ganz neue Verfahren und Anforderungen notwendig. Unternehmen, die auf diesen Gebieten tätig sind, dürften von diesem Trend signifikant profitieren.

Fazit

Alles in allem zeigen diese wenigen Hinweise, wie technologische Neuerungen (bspw. Touchscreens), Marktveränderungen/Veränderungen von Kundenwünschen (bspw. Miniaturisierung) oder gesellschaftliche Trends (bspw. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung) die Entwicklung immer neuer Produkte und Produktionsweisen vorantreiben. Gut für die Innovation und gleichzeitig ein deutliches Warnzeichen für all die, die glauben, ihr Produkt oder ihre Produktionsweise sei für alle Zeiten das non plus ultra und gegen Veränderungen gefeit.

Ein Gedanke zu „Produktion: Wie die Suche nach dem Neuen Überkommenes in Frage stellt

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