Innovationsmanagement – Grenzen und Möglichkeiten (Teil 1/3)

[English Version]

Im Juni 2013 hat der Autor im Rahmen des zweitägigen Strategy Circle Maschinen- und Anlagenbau an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Innovationsmanagement – Grenzen und Möglichkeiten“ teilgenommen. Über die dort behandelten Themen soll an dieser Stelle in einer dreiteiligen Serie berichtet werden. Teil 1 behandelt schwerpunktmäßig generische Fragen zum Thema Innovation, während die Teile 2 und 3 vornehmlich organisatorische Aspekte zum Innovationsmanagement in Unternehmen und das Zusammenwirken auf diesem Gebiet mit Externen beleuchten.

Impuls der Innovation „naturgegeben“

Eine Frage, die mit Blick auf Innovation immer wieder beschäftigt, ist, woher sie eigentlich kommt. Betrachtet man die Entwicklung der Menschheit, so kommt man zu dem Schluss, dass Innovation bis zu einem gewissen Grad naturgegeben ist. Innovation war für den Menschen von jeher überlebenswichtig – zur Stärkung seiner selbst, seiner Art. Viele Entwicklungen in der Evolution gehen letztlich auf diesen Überlebenswillen zurück.

First MS-Mouse

Erste Microsoft-Maus 1983 (By Rolf Hartmann (Erkaha) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons)

Auch bei den technologischen Entwicklungen von heute haben wir es seltener mit revolutionären Schritten zu tun, viel häufiger dafür mit evolutionären. Und wie in der Evolution von Tier und Mensch gefährden neue Innovationen das Überleben der alten. Nehmen wir die Computer-Maus. Diese wurde 1983 von Apple erstmals für PCs als Mensch-Maschine-Schnittstelle verwendet. Irgendwann stand die Maus auf jedem Schreibtisch, auf dem ein PC stand. Dann kam vor ein paar Jahren der berührungsempfindliche Bildschirm und damit die Möglichkeit, PCs oder Tablets direkt mit den Fingern zu steuern. Diese Entwicklung und zusätzlich die Sprachsteuerung gefährden natürlich die Computer-Maus: Erstmals in ihrer Geschichte schrumpft ihr Markt.

Bleiben wir in der Computerwelt und sehen uns die Entwicklung der Endgeräte an: Der Personal Computer war jahrelang das Maß der Dinge. Dann kamen zunächst die Laptops und später die leichteren Notebooks. Ergebnis: Die Absatzzahlen bei PCs gingen zurück. Seit es nun das iPad und seine diversen Konkurrenten gibt, gehen wiederum die Verkaufszahlen von Notebooks deutlich zurück. Wenn zunehmend Office-Anwendungen auf dem iPad laufen, wird sich diese Entwicklung eher noch beschleunigen.

Innovationen brauchen einen Markt

Diese Beispiele liefern auch eine Antwort auf die Frage, ob Innovationen einen Markt brauchen. Klare Antwort: Ja! Ohne Markt und damit potentieller Vermarktung gibt es per definitionem keine Innovation, sondern nur Inventionen, Erfindungen. Videoband und Bildplatte sind gute Beispiele für das eine wie das andere. Das Videoband – später durch die DVD abgelöst – war nicht nur eine Erfindung, sondern eine Innovation, da es sich über einen längeren Zeitraum erfolgreich am Markt verkaufen ließ. Anders die TED-Bildplatte (Abkürzung von Television Disc). Diese in den 1970er Jahren entwickelte Technologie zur Speicherung von Bild- und Tondaten verschwand nach kurzer Zeit wieder vom Markt. Eine interessante Erfindung, zum damaligen Zeitpunkt aber keine Innovation, da keine erfolgreiche Marktdurchdringung gegeben war. Immerhin war die Technik Vorläufer für heute noch gebräuchliche Bildplatten-Formate wie die DVD oder Blu-ray Disc.

TP1005-2

Bildplattenspieler TP1005 von Telefunken (By Robert vincenz (ac-chan) [Attribution], via Wikimedia Commons)

Handlungsfelder für Innovationsmanagement ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Kunden und Lieferanten

Ob sich eine Erfindung am Markt durchsetzt und damit zu einer Innovation wird, ist in der Regel keineswegs gewiss. Die Technikgeschichte ist voll von Beispielen für interessante Erfindungen, denen aber wirtschaftlich keinerlei Erfolg beschieden war. Zu gern wüsste man daher, was der Markt, was der Kunde haben möchte und wie man innovative Handlungsfelder findet. Naturgemäß können allgemeine Antworten darauf kaum gegeben werden. Das fängt schon damit an, dass es ja nicht den Markt oder den Kunden gibt. Antworten können also nur im individuellen Austausch zwischen Kunden und Lieferanten gefunden werden.

Im Zusammenspiel dieser beiden Partner ist mit Blick auf Innovation ein Aspekt ganz wesentlich: Der Kunde sollte stets nur das Problem erläutert, zu dem er eine innovative Lösung erwartet – aber nicht die Spezifikationen vorgeben. Das engt unnötig ein und führt zu einem Verhalten, bei dem die nicht gewollte, aber kaum zu umgehende Voreingenommenheit der „Erfinder“ die potentiellen Lösungsmöglichkeiten begrenzt.

Reifegrad einer Entwicklung nicht mathematisch bestimmbar

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich auch die Frage, wie sich die Technologie- und Marktreife bestimmen, die ein Innovationsbereich erzielen muss, um etwas in die Serienentwicklung bringen zu können. Hierbei kommt es durchaus auch auf den Standpunkt des Betrachters an. Fragt man einen Entwickler, dann wird er immer noch etwas weiterentwickeln wollen, damit er auch „150-prozentig“ sicher ist, dass es funktioniert. Hilfreich sind zweifellos vernünftige Innovationsprozesse, die es ermöglichen, auch bei 95 Prozent zu sagen: Dieses Produkt ist erst einmal „sauber“. Bevor man für die restlichen fünf Prozent drei weitere Jahre braucht. Das ist natürlich eine schwierige Gratwanderung, aber man darf nicht zu lange warten, sonst ist der Markt vorbei, bis das eigene Produkt fertig ist. Der Reifegrad einer Entwicklung kann daher nicht mathematisch berechnet werden. Ein gewisses Risiko – hier ist das Top-Management gefragt – müssen Unternehmen eingehen, um mit Blick auf time-to-market Chancen zügig nutzen zu können.

Unsicherheit und Komplexität sind Konstanten

Was das Zusammenspiel von Informationsvielfalt, technologischer Weiterentwicklung, Markttrends und politischen Rahmenbedingungen angeht, würde man natürlich gerne in die Zukunft sehen können. Wie leitet man aus diesem Zusammenspiel Initiativen für die nächsten fünf Jahre ab, vor allem bei großer Unsicherheit? Wie kann man externe Komplexität aus Markt- und Technologietrends effizient angehen? Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass die Mega-Trends – ob technologische oder andere – allenthalben bekannt sind. Globalisierung, Urbanisierung, Umwelt, Energie, Demografie etc., all das ist bekannt, darauf kann man sich also einstellen. Viel wichtiger sind die vielen kleinen, unbekannten Ideen, die einem vielleicht weiterhelfen könnten – wenn man nur von ihnen wüsste.

Der 3D-Drucker ist nicht zuletzt deshalb aktuell in aller Munde, weil die Medien breit darüber berichtet haben. Wie viele Ideen gibt es auf der Welt, die kaum einer kennt, weil ihnen diese mediale Präsenz versagt bleibt? Hier bleibt wenig anderes übrig, als Augen und Ohren offen zu halten. Schließlich: Auf politische Rahmenbedingungen kann man sich als Unternehmen nur sehr schwer einstellen. Diese Bedingungen ändern sich laufend und noch dazu eher erratisch. Die radikale 180-Grad-Wendung der Bundesregierung in Sachen Energiepolitik („Atomausstieg“) ist dafür ein gutes Beispiel.

3 Gedanken zu „Innovationsmanagement – Grenzen und Möglichkeiten (Teil 1/3)

  1. Pingback: Innovationsmanagement – Grenzen und Möglichkeiten (Teil 2/3) | BeyssOnManagement

  2. Pingback: Innovationsmanagement – Grenzen und Möglichkeiten (Teil 3/3) | BeyssOnManagement

  3. Pingback: Innovation management – possibilities and limits (part 1/3) | BeyssOnManagement

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